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    Mit Astrophysik in die weibliche Brust schauen: Neuste Röntgentechnik reduziert Strahlung deutlich

    Brustkrebs ist mit 57.000 Erkrankungen im Jahr die häufigste Krebsart bei Frauen. Einen wirksamen Schutz dagegen gibt es nicht, einzig rechtzeitige Vorsorgeuntersuchungen können helfen, den Krebs schon im Ansatz zu bekämpfen. Doch die gängige Praxis der Mammographie, das Röntgen der Brust, ist umstritten. Die Strahlung steht im Verdacht, selbst Krebs hervorrufen zu können. Die medizinische Forschung arbeitet deshalb an immer strahlungsärmeren Methoden. Geräte der neusten Generation benötigen nur noch einen Bruchteil der früheren Strahlendosis. Eines davon steht seit Kurzem in München.

    Es ist eine Schockdiagnose für jede Frau: Brustkrebs. Sofort stehen Bilder von Amputationen und Chemotherapie vor Augen. Dabei kann der Erkrankung im Frühstadium mit einem kleinen Eingriff relativ gefahrlos begegnet werden – wenn man sie rechtzeitig entdeckt. „Das erste Anzeichen ist oft so genannter Mikrokalk, den man aber weder ertasten noch im Ultraschall erkennen kann“, erklärt der Münchner Radiologe Dr. Michael Risch. „Da hilft nur eine Mammographie weiter.“ Dabei wird die Brust in einem speziellen Röntgenapparat gescannt. Das Risiko durch die Strahlung wird durch den Nutzen bei weitem überwogen.

    Technik aus der Weltraumforschung durchleuchtet Brustgewebe

    Die Zellen in der Brust sind für Strahlung besonders anfällig, auch wenn die Dosis bei einer Röntgenaufnahme mit etwa 0,2 Milli-Sievert nur ein Zehntel der Strahlung darstellt, der jeder Mensch jährlich ausgesetzt ist. Deshalb zielt der Fortschritt der Medizintechnik vor allem auf bessere Bilder und geringere Strahlung ab. Dabei kommen sogar Erfindungen der Weltraumforschung zum Einsatz. Das derzeit strahlungsärmste Gerät der schwedischen Firma Sectra benutzt einen Photonenzähler, der ursprünglich für die Astrophysik entwickelt wurde. Statt winzige Spuren kleinster Elementarteilchen zu sammeln, registriert das System in der Mammographie jedes einzelne Energiepaket der Röntgenquelle und setzt es in ein digitales Bild um.

    „Der Vorteil ist, dass es so gut wie keine Streustrahlung gibt. Es wird nicht mal mehr die Brust als Ganzes bestrahlt, sondern der Scanner erfasst sie Zeile für Zeile. Das reduziert die Belastung für das Gewebe noch mehr“, so Dr. Risch, der als erster in München das neue Gerät einsetzt. Der technikbegeisterte Röntgenexperte setzte schon im Jahr 2000 als erster niedergelassener Arzt Deutschlands auf eine digitale Bilderfassung in der Mammographie. Fünf Jahre später investierte er in die Microdosis Mammographie, die damals die Strahlung im Vergleich zum Röntgenfilm bereits um bis zu 80 Prozent senkte. Die aktuelle Version reduziert sie jetzt noch weiter. „Das bedeutet, man könnte sich bis zu zehnmal untersuchen lassen, bis man die gleiche Dosis erhalten hat, wie mit einer einzigen unserer herkömmlichen, konventionellen Mammographien“, so Dr. Risch. „Durch dieses verringerte Risiko ist die Untersuchung schon bei Frauen ab 40 vertretbar, Beschwerden bzw. Symptome vorausgesetzt.“ Auch kürzere Untersuchungsintervalle sind denkbar. Damit können Intervallkarzinome verhindert werden, die mitunter in der Zeit zwischen den Mammographien unvermittelt auftreten und rasch heranwachsen.

    Digitalbild ermöglicht Nachbearbeitung und Vergrößerung

    Das Röntgenbild erscheint bei der digitalen Mammographie direkt auf dem Bildschirm, so dass sofort sichtbar wird, ob die Aufnahme gelungen ist. Dann wird das Bild ins Besprechungszimmer der Schwabinger Praxis geleitet, wo Dr. Risch der Patientin gleich seine Diagnose erklären kann. Langes Warten und Ungewissheit für die Betroffene wird so verhindert. Um auch die benötigten feinsten Details erkennen zu können, ist auch bei der Auswertung High-Tech im Einsatz. Zwei Monitore mit je fünf Millionen Pixeln – jeder davon 15.000 Euro teuer – zeigen das Röntgennegativ und ermöglichen es, Ausschnitte zu vergrößern oder Helligkeit und Kontrast nachzubearbeiten. „Bei sehr dichtem Gewebe, wenn das Röntgen wenig zeigt, sind Abtasten und Ultraschall als Ergänzung unverzichtbar“, meint der Radiologe. Die Bilder werden in einem eigens entwickelten Archivierungssystem gespeichert. Dadurch sind ältere Aufnahmen jederzeit zum Vergleich abrufbar. Diese Referenzbilder sind ein wichtiger Bestandteil in der Beobachtung von Veränderungen in der Brust.

    Auch die Untersuchungsbedingungen haben sich durch die moderne Technik verbessert. Zwar muss weiterhin die Brust möglichst flach gedrückt werden, um ein gutes Bild zu erhalten, aber zumindest ist die Ablage jetzt temperiert und besser der Brustform angepasst. Auch sind die Geräte insgesamt weniger wuchtig geformt. „Für die Patientin ist das deutlich bequemer“, berichtet die Röntgen-Assistentin Brigitte Walz. „Außerdem ist es uns wichtig, jeder Patientin genau zu erklären, was wir tun und warum das nötig ist.“ Und nötig ist es: Im vergangenen Jahr starben in Deutschland etwa 16.500 Frauen an Brustkrebs.

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