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    Isolierte hypertherme Extremitätenperfusion mit TNF-α und Melphalan: Neue OP-Methode am Klinikum Frankfurt Höchst

    Frankfurt a.M. Wenn ein bösartiger Tumor in den Arm oder den Beinen so groß ist, dass eine vollständige operative Entfernung fast unmöglich ist und nur eine Amputation eine Lösung sein könnte, hilft die sogenannte isolierte hypertherme Extremitätenperfusion. Das betroffene Körperglied wird vom Blutkreislauf abgetrennt und an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, so dass es einen eigenen Kreislauf erhält. Diese Technik erlaubt es, den Tumor mit Medikamenten in viel höherer Dosierung zu behandeln, ohne den ganzen Körper zu schädigen. Ein Fortschritt für den betroffenen Patienten. Im August fand die erste Operation dieser Art am Klinikum Frankfurt Höchst statt, die erste in Hessen überhaupt. Mit einem dreizehnköpfigen Team mit Chirurgen, Anästhesisten, einer Nuklearmedizinerin, OP-Pflegerinnen und Pflegern, einem Kardiotechniker für die Überwachung der Herz-Lungen-Maschine konnte ein etwa vier Kilogramm schwerer, bösartiger Tumor erfolgreich mit dieser neuen Methode behandelt werden. Professoren aus Heidelberg und Mannheim, darunter Prof. Dr. med. Peter Hohenberger, Chirurgische Klinik, Universitätsklinikum Mannheim, begleiteten die vierstündige OP im Rahmen der Zertifizierung.

    Prof. Dr. med. Matthias Schwarzbach, Chefarzt der Klinik für Allgemein- Thorax-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Klinikum Frankfurt Höchst, der bereits über 100 solcher OPs an seiner ehemaligen Wirkungsstätte, der Universitätsmedizin in Mannheim durchgeführt hat, erklärte: „Auf dem Gebiet der chirurgischen Therapie von Weichgewebssarkomen der Arme und der Beine hat die isoliert an der betroffenen Gliedmaße durchführbare Chemotherapie einen wesentlichen Fortschritt für den Patienten erzielt. Durch die lokale Anwendung von Chemotherapie in Kombination mit Überwärmung wird es möglich, im lokal fortgeschrittenen Stadium eine Entfernung des Tumors unter Vermeidung einer Amputation durchzuführen. Die Anwendung erfolgt sowohl beim großen Primärtumor, als auch beim Wiederauftreten eines solchen Tumors.“

    Wie kann ein Bein oder ein Arm isoliert vom restlichen Körper chemotherapiert werden?
    Mit der ILP – der Isolated Limp Perfusion oder Isolierten Extremitätenperfusion – ist dies möglich. Dabei schafft der Chirurg zunächst einen Zugang zu den großen Hauptgefäßen, die die Gliedmaße versorgen. Dabei sind sowohl das blutzuführende Gefäß (die Arterie) als auch das blutabführende Gefäß (die Vene) freizulegen.

    In die freigelegten Gefäße werden große Katheter eingelegt und fest angezügelt, damit die Katheter dicht mit dem Gefäß abschließen. Dann wird die Extremität, also die Gliedmaße, an einen künstlichen Kreislauf, der durch eine Herz-Lungen-Maschine gewährleistet wird, angeschlossen. Ein Abbinden des Armes oder Beines trennt dieses vollständig vom Körperkreislauf ab. Die Herz-Lungen-Maschine pumpt das Blut in einem steten Kreislauf. Dabei wird das Blut über einen Sauerstoffanreicherer (Oxygenator) genau wie von der Lunge mit Blut versorgt.

    Um einen sicheren Abschluss des abgetrennten Kreislaufes gegenüber dem Restkörper zu gewährleisten, wird nun radioaktiv markiertes Blut des Patienten in den von der Herz-Lungen-Maschine betriebenen Blutkreislauf der Extremität gespritzt und eine strahlenempfindliche Messsonde über dem Herzen des Patienten kontrolliert. Hiermit kann sichergestellt werden, dass wirklich kein Blut von Bein oder Arm in den Körperkreislauf fliesst, d. h. wenn keine Radioaktivität über dem Herzen gemessen werden kann, ist das System dicht und nun kann Chemotherapie gegeben werden.

    Die Abtrennung der Extremität und ihre isolierte Durchströmung mit Chemotherapeutika ermöglicht eine wesentlich höhere Dosierung, als für den Gesamtorganismus des Menschen verträglich wäre. So kann die Dosis des gegebenen TNF-α (Tumor-nekrose-faktor-alpha) um den Faktor 10 höher liegen, als sonst vom Gesamtkörper toleriert werden würde. TNF-α ist ein sehr potentes Zytokin mit einer hohen antitumoralen, also gegen den Tumor wirkenden, Aktivität. Zur Anwendung sind nur einige wenige Zentren in Deutschland und nur etwa 35 europaweit zugelassen. Zusätzlich wird noch ein weiteres verstärkendes Zytostaticum gegeben und das Bein oder der Arm auf ca. 40 Grad Celsius erwärmt, um die tumorabtötende Wirkung noch zu verstärken.

    Nach 90 min. Zirkulationszeit wird das mit Chemotherapie angereicherte Blut ausgewaschen, durch frisches ersetzt und die Extremität wieder an den Körper angeschlossen durch Freigeben der Sperren und Entfernen der Katheter. Der Tumor schrumpft nun und stirbt ab, da durch die Chemotherapie die Durchblutung des Tumors zerstört wird. Nach kurzer Zeit kann dann der geschrumpfte Tumor in einer Folge-OP ohne Amputation, aber tumorchirurgisch sicher entfernt werden. So kann ein langfristiger Extremitätenerhalt bei lokaler Tumorkontrolle erreicht werden.

    „Die Extremitätenperfusion ist derzeit das wirkungsvollste neoadjuvante Verfahren bei lokal fortgeschrittenen oder lokal wieder aufgetretenen Weichgewebssarkomen“, unterstreicht Prof. Schwarzbach. „Patienten, die eine solche Erkrankung erleiden, wissen oft nicht, an welchen Arzt sie sich wenden müssen.Nur wenige ausgewiesene Spezialisten können mit dieser Tumorentität in ihrer gesamten Bandbreite hochkompetente Therapieentscheidungen mit den Patienten erarbeiten.“ Mit seiner besonderen Expertise auf diesem Gebiet will der Chefarzt der Chirurgie den Aufbau eines Sarkomzentrums am Klinikum Frankfurt Höchst vorantreiben.

    Die Erkrankung durch ein Weichgewebssarkom ist selten und betrifft im Jahr ein bis zwei Patienten pro 100.000 Einwohner. Die Therapie sollte in speziell dafür ausgerüsteten und ausgebildeten Zentren erfolgen, um eine sichere Expertise bei dieser Erkrankung, die ein bis zwei Prozent der bösartigen Neubildungen des Erwachsenen ausmacht, zu gewährleisten.

    Durch die Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie werden auf ihren verschiedenen Spezialgebieten sämtliche operative Verfahren im Gesamtgebiet der Chirurgie durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Unfallchirurgie im Haus ist die Klinik für Chirurgie zur vollen Facharztweiterbildung ermächtigt.

    Das Klinikum Frankfurt Höchst ist eine Einrichtung der höchsten Versorgungsstufe und Akademisches Lehrkrankenhaus der Johann Wolfgang Goethe Universität mit 17 Kliniken (986 Betten vollstationär, 44 tagesklinische Plätze), drei Zentralinstituten, dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ), dem MVZ sowie Krankenpflegeschulen und Schulen für nichtärztliche medizinische Fachberufe. 2.200 Beschäftigte versorgen jährlich 33.500 stationäre und 70.000 ambulante Patienten aus einem weiten Einzugsgebiet. Als gemeinnützige Gesellschaft des privaten Rechts (GmbH) befindet sich das Klinikum in vollständiger kommunaler Trägerschaft. Ein Ersatzneubau wird bis 2015 errichtet. Mehr Infos unter www.KlinikumFrankfurt.de.

    Für Anfragen der Presse:
    Klinikum Frankfurt Höchst
    Unternehmenskommunikation
    Petra Fleischer
    Tel. 069 3106 3818
    E-Mail: petra.fleischer@KlinikumFrankfurt.de
    www.KlinikumFrankfurt.de

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