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Heilberufe warnen: Ökonomisierung des Gesundheitswesens nicht übertreiben!
Kiel - Das Gesundheitswesen ist im Umbruch: Klinikkonzerne übernehmen Arztpraxen, Drogeriemärkte geben Arzneimittel ab, Franchiseketten drängen in die zahnärztliche Versorgung - drei Beispiele, wie Profitunternehmen die Versorgungslandschaft im Gesundheitswesen verändern wollen. Für die Patienten und die Heilberufe hat das gravierende Folgen - oft negative.
Auf dem ersten schleswig-holsteinischen Heilberufetag zeigen Ärzte, Apotheker, Psychotherapeuten und Zahnärzte diese Veränderungen auf. "Wir müssen darüber diskutieren, wie viel Einfluss wir den Kapitalgesellschaften im Gesundheitswesen zubilligen", sagte stellvertretend für alle in der Interessengemeinschaft der Heilberufe (IdH) vertretenen Organisationen der Präsident der Zahnärztekammer Hans-Peter Küchenmeister. "Wir wollen, dass Patient und Arzt über medizinische Dinge entscheiden und nicht der Staat oder der Aktienkurs", fügt er hinzu.
Was passiert, wenn dieses Gleichgewicht gestört wird, verdeutlichen die Heilberufe an einigen Beispielen:
- Kapitalgesellschaften und Klinikkonzerne können medizinische Versorgungszentren (MVZ) gründen. Die vorgeschriebenen Praxissitze werden aber zu Preisen gehandelt, die kein junger Arzt bezahlen kann. Damit besteht die Gefahr, dass nur noch angestellte Ärzte der Klinik Patienten in die Klinik überweisen. Als Folge der Konzentration der MVZ an lukrativen Standorten wird außerdem die Versorgung in der Fläche ausgedünnt.
- Arzneimittelgroßhändler, die auch gleichzeitig Medikamente produzieren oder im großen Stil einkaufen, wollen Apotheken in konzerneigenen Ketten zusammenzuschließen, um damit ihr Sortiment bevorzugt zu vertreiben. Der Apotheker wird damit zum abhängigen Verkäufer und kann nicht mehr neutral beraten.
- Zahnarztketten kaufen billigen Zahnersatz in China ein, Internetportale versteigern Discountzahnersatz und versuchen so im großen Stil Vorteile zu erzielen.
Die Vorsitzenden und Präsidenten aller Heilberufe-Organisationen in Schleswig-Holstein warnen vor der sich abzeichnenden Entwicklung, bei der in erster Linie profitorientierte Konzerne die Versorgung bestimmen. "Das eigenverantwortliche Handeln von freiberuflichen Heilberufen wird damit gefährdet - und das kann nicht im Sinne der Patienten sein", gibt Küchenmeister zu bedenken.
Zugleich stellen die Heilberufe klar, dass sie staatliche Eingriffe ebenfalls ablehnen. "Die damit gesammelten Erfahrungen etwa in der Budgetierung haben viele Probleme im Gesundheitswesen erst geschaffen. Rabattvertragschaos in den Apotheken, Existenznöte der Krankenhäuser durch gesetzlich verordnete Sanierungsbeiträge oder Arztpleiten durch überzogene Regressforderungen sind Ergebnisse verfehlter staatsdirigistischer Eingriffe".
Die Körperschaften der Heilberufe appellieren deshalb an den Gesetzgeber, weder einen ungeregelten freien Markt, noch ein staatliches Gesundheitswesen zu schaffen. Die höchste Effizienz und damit den höchsten Nutzen für die Patienten sehen sie in einer regionalen Selbstverwaltung und der eigenverantwortlichen Ausübung der Berufe Arzt, Zahnarzt, Apotheker und Psychotherapeut.
Pressekontakt:
Interessengemeinschaft der Heilberufe in Schleswig-Holstein
c/o Zahnärztekammer Schleswig-Holstein
Westring 496, 24106 Kiel
Tel.: 0431/260926-30, Fax 0431/260926-15
Email: freie-berufe-sh@zaek-sh.de
Internet: www.freie-berufe-sh.de



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