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Europäischer Workshop Demenz „Ethik im Netz“: Demenzkrankheit enttabuisieren und grenzüberschreitend Lösungen suchen
Berlin - In Deutschland sind 1,1 Millionen Menschen demenziell erkrankt. Die Zahl steigt. Zur Diskussion über eine bessere Versorgung von Demenzkranken gehören nicht zuletzt auch ethische Fragen wie der würdevolle Umgang mit den Betroffenen.
Auf Einladung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt trafen sich in Berlin Wissenschaftler und Fachleute aus europäischen Ländern, um das Projekt einer europäischen Internetplattform zu diskutieren. Ziel ist, unter der Überschrift „Ethik im Netz“ ethische Konfliktsituationen in Pflege und Betreuung von demenz-kranken Menschen zu behandeln und ein Forum für Austausch, Diskussion und Erarbeitung neuer Lösungen anzubieten.
Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit: „Wir teilen in unseren Gesellschaften die Sorge und die Aufgabe, einen angemessenen und ethisch fundierten Zugang zum Leben mit demenzkranken Menschen und zu den Nöten ihrer Angehörigen zu finden. Es ist daher notwendig, sich Fragestellungen wie dem würdevollen Umgang mit den Betroffenen im internationalen Austausch auf europäischer Ebene zu stellen. In der Realität fehlt zu oft das Wissen über die Krankheit. Wir haben in Deutschland lange gebraucht, um geistig behinderte und psychisch kranke Menschen zu akzeptieren und sie aus der Stigmatisierung herauszuholen. Wenn es sich um Demenz handelt, stehen wir noch am Anfang: Es gibt noch immer viele, die nicht offen über die demenzkranke Mutter sprechen oder die verschämt zur Seite schauen, wenn ein Demenzkranker sich anders verhält, als es unseren Normen entspricht. Wir müssen die Krankheit enttabuisieren.“
Staatssekretär Schröder begrüßte den Vorschlag, einen breit angelegten inter-nationalen Dialog über ethische Belange der Demenzversorgung auf den Weg zu bringen: „Ein ganz wesentlicher Schritt dabei ist der gegenseitige Erfahrungs-austausch. Wir wollen mit der Veranstaltung einen Anstoß geben für einen internationalen Dialog zu ethischen Grundlagen und Problemen des Zusammen-lebens mit demenzkranken Menschen und ihrer Versorgung.“
Die Teilnehmer des Workshops setzten sich intensiv mit dem Projekt einer europäischen Website, seinen Inhalten und Zielen, Perspektiven und möglichen Formen der übernationalen Zusammenarbeit auseinander.
Der Workshop wurde in enger Abstimmung mit Alzheimer Europe, der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und dem Ideengeber des Projektes, Michael Schmieder (Schweiz) vorbereitet. Eine Internet-Seite „Demenz: Ethik im Netz“ soll sowohl Hintergrundinformationen und Stellungnahmen zu verschiedenen ethischen Fragen enthalten, die sich bei der Pflege und Betreuung von Alzheimerpatienten ergeben, als auch Anfragen von Pflegepersonen oder Angehörigen der Gesundheitsberufe gemeinsam mit Stellungnahmen der Ethikexperten wiedergeben.
Dabei stehen folgende Ziele im Vordergrund:
- ethische Standpunkte und Empfehlungen verschiedener beruflicher und medizinischer Organisationen zusammenzutragen und so ein „Nachschlage-werk“ zu ethischen Fragen bei der Pflege und Betreuung Demenzkranker zu erstellen
- spezifische ethische Fragen eingehend zu behandeln
- Anfragen einzelner Pflegepersonen und Pflegekräfte, die sich in einem ethischen Dilemma befinden, zu beantworten
Weitere Informationen finden Sie unter http://www.bmg.bund.de
Pressekontakt
Bundesministerium für Gesundheit
Friedrichstraße 108
10117 Berlin (Mitte)
Tel +49 (0)1888 441-2225
Fax +49 (0)1888 441-1245
pressestelle@bmg.bund.de
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