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„Zeckenimpfung“ schützt nur gegen einen Bruchteil der Gefahren

Es klingt nach Entwarnung: Zwar gelten laut dem Robert-Koch-Institut inzwischen 136 Landkreise als Risikogebiete für die gefährliche Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), aber immer mehr Deutsche sind bereits gegen diese von Zecken übertragene Krankheit geimpft. Die Sicherheit der so genannten „Zeckenimpfung“ trügt allerdings. Denn während sich jährlich nur rund 300 Menschen hierzulande mit dem FSME-Virus anstecken, trifft die ebenfalls von Zecken verbreitete Borreliose pro Jahr bis zu 150.000 Personen – auch außerhalb der Risikogebiete und der eigentlichen Zeckenzeit. Eine Impfung dagegen gibt es nicht, einziger Schutz bei einem Stich ist die schnelle und fachgerechte Entfernung.
Mit den ersten sonnigen Tagen beginnt die Zeckensaison. Schon ab Temperaturen um die acht Grad Celsius werden die blutsaugenden Insekten aktiv und gehen auf die Suche nach neuen Wirten. Gefährlich sind vor allem die Viren und Bakterien, die sie übertragen und die schwere Krankheiten hervorrufen können. FSME etwa äußert sich zuerst nur mit Kopfschmerzen und Fieber, kann aber in schlimmen Fällen auf die Hirnhaut übergreifen und zu Lähmungen und Koma führen. Vor allem in den Risikogebieten in Süddeutschland lassen sich viele Bürger deswegen impfen, wie der Apotheker Dr. Gerhard Schick, der die Zeckengefahr schon lange beobachtet, bestätigt: „Im Frühjahr ist der Impfstoff regelmäßig ausverkauft.“
Vergessene Gefahr Borreliose
Der Begriff „Zeckenimpfung“ allerdings ist missverständlich und kann dazu führen, dass nicht mehr auf Vorsichtsmaßnahmen geachtet wird. Denn anders als die Bezeichnung vermuten lässt, schützt die Impfung nicht gegen die weitaus stärker verbreiteten Borrelien. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts ist jede dritte Zecke mit diesen Bakterien infiziert, die Nerven und Organe schwer schädigen können. Beim Saugen gibt die Zecke überschüssiges Wasser aus dem Blut durchsetzt mit Borrelien in ihren Wirt zurück. Daher erhöht sich die Gefahr mit jeder Stunde, in der die Zecke unentdeckt bleibt: Wenn der Parasit die Krankheit trägt, liegt die Ansteckungswahrscheinlichkeit nach 48 Stunden bei 100 Prozent. Durch eine Entfernung der Zecke innerhalb der ersten zwölf Stunden lässt sich das Infektionsrisiko dagegen minimieren.
Der beste Schutz gegen die Borreliose ist aber, sich gar nicht erst stechen zu lassen. Dazu sollte man bei Arbeiten im Garten, Waldspaziergängen oder Forstarbeiten lange Hosen und Oberteile in hellen Farben tragen. So lassen sich die Zecken auf ihrer Suche nach einem guten Platz zum Festsetzen leichter entdecken. Bevorzugte Zeckenplätze sind übrigens hohes Gras und niedrige Sträucher im Halbschatten mit leichter Feuchtigkeit, bei großer Hitze verstecken sich die Tiere dagegen lieber. „Zecken springen auch nicht von Bäumen auf Menschen herunter“, so Dr. Schick. „Selbst die erwachsenen Exemplare, die am höchsten klettern, erreichen nur Höhen von einem bis anderthalb Metern.“
Bei Haustieren ist besondere Vorsicht geboten. Sie sind für das mittlere Entwicklungsstadium der Zecken auf einer idealen Höhe. Zwischen den dichten Haaren lassen sich die kleinen Spinnentiere nur schwer entdecken und können leicht auf den Menschen überwandern. Vollgesogen können sie dann auch im Haus abfallen und sich verkriechen. Um das zu verhindern, sollten Hunden und Katzen nach ihren Streifzügen nach den Parasiten abgesucht werden. Mit einer so genannten Zeckenkammkarte kann man dazu das Fell durchkämmen und sofort bereits festsitzende Tiere entfernen. Dabei wird ein Spalt in der Karte unter die Zecke geschoben und diese sanft herausgehebelt.
Der richtige Dreh im Ernstfall
Hat sich doch mal eine Zecke festgebissen, muss sie schnell und fachgerecht entfernt werden. Dafür gibt es in der Apotheke spezielle Zeckenzangen. Wichtig ist, dass die Spitze fein genug ist, auch die nur wenige Millimeter großen Larven der Zecke zu erfassen. Gleichzeitig muss die Öffnung der Zange aber weit genug für erwachsene und vollgesogene Tiere sein. Diese sind ohnehin nur noch lose verankert, weshalb auch eine kombinierte Zeckenzange mit Zeckenkarte sinnvoll ist: Die Zange für die kleineren Exemplare und am anderen Ende ein Spalt mit integrierter Tasche, um volle Zecken herauszuziehen und aufzufangen. Zur leichteren Handhabung sitzt bei solchen modernen Zangen der Knopf zum Öffnen seitlich, so dass man die Hand parallel zur Haut halten kann. Der Druck der Greifer sollte nicht zu stark sein, sonst besteht die Gefahr, die Zecke zu zerreißen.
Über die richtige Technik beim Entfernen wurde in der Vergangenheit viel diskutiert: Ist Herausziehen besser? Wie soll Herausdrehen funktionieren, wo eine Zecke doch kein Gewinde hat? Eine niederländische Studie an der europäischen Zecke hat allerdings gezeigt, dass beim Drehen nur 20 Prozent Teile der Mundwerkzeuge in der Haut stecken bleiben, beim Herausziehen dagegen rund 70 Prozent. „Der Grund ist vermutlich, dass beim Drehen ein seitlicher Zug entsteht, der die Mundwerkzeuge langsam lockert“, erklärt Dr. Schick. „Beim Herausziehen wirkt die Kraft senkrecht zur Haut, wodurch sich die Widerhaken am Saugapparat der Zecke erst recht in die Haut einspreizen.“ Der Unterschied ist entscheidend, denn bei großen Bruchstücken besteht die Gefahr, dass sie noch Borrelien enthalten, die nachträglich in den Körper wandern können.
Generell gilt nach einem Zeckenstich erhöhte Aufmerksamkeit. Unter Umständen dauert es mehrere Wochen, bis eine Ansteckung sich bemerkbar macht. Wenn sich die Stelle ringförmig rötet und sich Symptome wie bei einer Grippe aber ohne Schnupfen einstellen, ist ein Arztbesuch dringend nötig. Dabei sollte der Betroffene den Zeckenstich auch ansprechen, da Borreliose leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden kann.



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